Kontakt | Impressum | Häufige Fragen | Presse | Informationsmaterial |
 

Die Ensete-Pflanze ist auch bekannt als „falsche Banane“ oder nach ihrer Herkunft: „Abessinische Banane“. Während sie in den Gewächshäusern und Botanischen Gärten Europas nur der Zierde dient, ist sie für viele Familien in Südwest-Äthiopien lebenswichtig. Bäuerin Rumana Hassen aus der Provinz Illubabor zeigt, was die Frauen aus der Pflanze Kotscho herstellen, eine Art säuerliches Brot.

Ein paar Schritte vom Gehöft ihrer Famlie liegt der Ensete-Garten von Bäuerin Rumana. Die gewaltige Staude kann bis zu 10 Metern hoch werden, ihre Blätter sind gewöhnlich über zwei Meter lang. Lebensmittel werden darin verpackt, sie ersetzen Teller, werden beim Hausbau für die Dächer verwendet und dienen dem Vieh als Futter. Vor allem aber liefern sie Kotscho, das wichtigste Nahrungsmittel von Rumanas Familie.

Die breiten Blattscheiden der Staude bilden einen Scheinstamm. Etwa sechs Jahre alt ist die Staude, wenn Rumana Hassen ihre Blätter mit einem Haumesser kappt, um an die inneren, an Pflanzenstärke reichen Blattscheiden zu kommen.

Die Bäuerin hält die einzelnen Blattscheiden mit dem rechten Fuß auf einem schräg stehenden Brett fest. Mit einem Holzwerkzeug schabt sie das kohlenhydratreiche Gewebe von der Blattscheide ab. Aus dem zähen Rest der Blattscheide können starke Seile gedreht werden.

  

Rumana Hassen hat sieben Kinder, alle essen ein bis zwei Mal am Tag das Kotscho-Brot. Die Töchter helfen ihr beim Gewinnen des Rohstoffs dafür: Besonders energiereich sind auch die Knollen, die eine ihrer Töchter zerstampft.

Rumana Hassen präsentiert die frisch geschabte Pulpe. Zehn Millionen Menschen im Südwesten Äthiopiens verarbeiten dieses Rohmaterial zu ihrem täglichen Brot. „Wir kennen nichts Besseres als Kotscho“, sagt die 45-jährige Bäuerin.

Aus großen Ensete-Blättern wird eine Art Korb geflochten, die Pulpe hineingefüllt und dann mit weiteren Blättern abgedeckt. In einer Grube in der Erde wird die Masse zwei Wochen lang gären. Um die Fermentation zu starten und zu  beschleunigen, füllt die Bäuerin etwas Ensete-Brei zu, der bereits einige Tage früher angesetzt worden ist.

Die Bäuerin hat immer in mehreren Erdlöchern die kohlenhydratreiche Masse an verschiedenen Tagen angesetzt, so dass sie jederzeit backen kann. Rumana Hassen presst das Wasser aus der Masse, hackt sie mit einem Messer so fein wie möglich, wickelt sie dicht in Blätter. Dann legt sie die Masse für zwei Stunden in die schwache Glut eines Feuers.

Das fertige Kotscho ist ein gelblicher, brotähnlicher Laib, der säuerlich schmeckt. Dass es im Südwesten Äthiopiens weniger Notlagen bei der Ernährung gibt als in anderen Landstrichen liegt laut Landwirtschaftsexperten an dieser Nahrung. „Kotscho mit etwas selbst gemachter Butter dazu: Das Beste, was es gibt!“, sagt Bäuerin  Rumana und teilt freigebig aus.

Die Ensete-Pflanze, die so vielen Menschen das Überleben sichert, braucht relativ viel Feuchtigkeit. In den meisten Landesteilen Äthiopiens wächst sie nicht. Damit die Familien in den Projektgebieten trotzdem ihr tägliches Brot sichern, führt Menschen für Menschen neue landwirtschaftliche Methoden und Anbauprodukte ein.

Helfen Sie mit und spenden Sie jetzt mit unserem Online-Spendenformular

 
|